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Mit 99 Jahren noch einmal Wind in den Haaren 

Bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein haben wir Erika Wendel, das älteste Mitglied der Sektion Bonn von ihrer Wohnung in Remagen zu einer Geburtstagstour mit Rikscha abgeholt. Erika erfreut sich trotz ihres Alters bester Gesundheit und stieg freudig mit unserem Ehrenpräsidenten, Artur Sperling, in die Rikscha ein. Wie man auf den Fotos erkennen kann, handelt es sich bei der Rikscha um einen ganz besonderen Typ, bei dem die Passagiere vorne sitzen. Diese Art Rikscha wurde durch die Initiative „Radeln ohne Alter“ entwickelt, die mittlerweile in 80 deutschen Städten vertreten ist. Ein Motto dieser Initiative heißt: Jeder hat ein Recht auf Wind in den Haaren und den hat Erika auf der kleinen Tour gespürt. Gott sei Dank hatte sie den eigentlich angesetzten Friseurtermin auf die nächsten Tage verlegt. Unterwegs begegneten wir vielen Passanten, die freundlich grüßten, großes Interesse an unserm Gefährt zeigten und wenn sie besonders gesprächig waren von Artur aufgefordert wurden, Erikas Alter zu schätzen. Kein Tipp lag dabei über 75 – ein ungeschmeicheltes Kompliment an Erika, schließlich sieht sie mit ihren 99 Jahren noch blendend aus. Einige wollten sich auch mit uns fotografieren lassen, wie die beiden Mädchen auf dem Bild aus der Eisdiele nebenan.

Während der Tour entlang des Remagener Rheinufers erzählte uns Erika einiges aus ihrem langen Leben. Sie verbrachte ihre Jugend in Frankfurt und wurde am 01.04.1940 dort bei der Post eingestellt. Das nach dem Krieg gegründete Bundespostministerium hatte seinen ersten Standort auch in Frankfurt, und da Erika sprachbegabt war, wechselte sie vom Postamt zum Sprachendienst des Ministeriums. 1954 zog sie dann mit dem Ministerium nach Bonn um. Dort war sie auch Gründungsmitglied der Jumelages und zehnmal bei den Parisreisen dabei. Am Ende kannte sie sich in Paris so gut aus, dass sie dort auch schon mal die Stadtführung übernahm.

Vor einigen Jahren ist sie mit ihrer 2 Jahren älteren Schwester, mit der sie die ganze Welt bereist hat, nach Remagen umgezogen: Erika in ein 70qm großes Appartement und die Schwester in ein Pflegeheim. Leider ist die Schwester vor zwei Jahren mit 99 Jahren gestorben. Auf die Frage hin, ob sie uns ein Rezept zum Altwerden verraten könnte, meinte sie, sie habe immer gesund gelebt, ab und zu ein Gläschen milden Rot- oder Weißwein getrunken und nie Sport getrieben – außer, sie sei früher mit ihrer Schwester jede Woche einmal nach Bad Breisig ins Thermalbad gefahren.

So radelten wir bis zum Ende der Rheinuferpromenade und Erika lud uns zum Mittagessen in eine Pizzeria ein, dort durfte bei einer kleinen Portion Lasagne das Gläschen Rotwein nicht fehlen.

Zu Hause angekommen zeigte sie uns noch ihr geräumiges, lichtdurchflutetes Domizil. Artur hatte einige Bilder von früheren Parisreisen mitgebracht, die Erika interessiert anschaute und sich auch sofort darauf entdeckte. Viele Erinnerungen an frühere Reisen wurden ausgetauscht. An der Wand entdeckten wir eine Weltkarte, in der kleine Nadeln steckten. Erika erklärte uns, dass sie dort die 80 Länder markiert habe, die sie in ihrem Leben bereist hat.

Bei der Verabschiedung versprachen wir, zum 100sten Geburtstag wiederzukommen.

Willi Elz